Die Verabschiebung

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Joachim Zelter ׀ Die Verabschiebung ׀ Roman
Stuttgart: Kröner, März 2021
ISBN  (Print)
ISBN (ePub)
180 Seiten
Hardcover

Eigentlich könnte alles gut sein zwischen Julia und Faizan. Seit einigen Wochen sind die beiden ein Liebespaar – wenn Faizan in diesem Land nur bleiben dürfte. Als Asylbewerber aus Pakistan sind seine Chancen auf ein Hierbleiben gleich null. Und so entschließt sich Julia, ihren Freund zu heiraten, obgleich sie eigentlich niemals und unter keinen Umständen jemals heiraten wollte. Doch wenn sie geglaubt hatte, dass mit einer Ehe nun alles gut werde, dann irrte sie sich, denn jetzt gehen die Fragen erst richtig los, an erster Stelle die stundenlangen Befragungen durch das Ausländeramt.

Der Roman erzählt die Endlosigkeit und Aussichtslosigkeit eines Asylverfahrens in Deutschland, in dem auch eine Ehe kein hinreichender Grund mehr für irgendetwas ist – schon gar nicht für ein Hier- oder Zusammensein. Sein Roman beschreibt einen kafkaesk-kalten Kosmos akribischen Rechts, in dem die beteiligten Menschen – in einem endlosen Kraftakt – immer mehr an Autonomie und Substanz verlieren, bis kaum mehr etwas von ihnen übrig ist. Menschenwürde? Sie erweist sich in Zelters neuem Roman zunehmend als Konjunktiv.

„Wäre Faizan an diesem Abend nicht so früh nach Hause gekommen, dann hätte man ihn gar nicht angetroffen. Indem er aber zuhause war, brannte Licht und man klingelte, mehrere Male – und er öffnete. Indem er die Tür öffnete, war er bereits verloren. Polizisten drängten in die Wohnung und teilten ihm mit, dass seine Abschiebung in diesem Moment vollzogen werde.“

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